Freitag
Hey Leute, die Woche geht zu Ende, wer hätte das zu hoffen gewagt. Der Start war schlimm, drei Klassen nacheinander, in denen ich den Raum verlassen habe, danach gings wieder aufwärst und inzwischen schwimme ich wieder ganz oben auf der Welle. Innerhalb der Woche ging ein Ruck durch die ganze Gruppe. zum Ende der Woche verließ niemand mehr den Raum, in keiner einzigen Klasse, und kaum jemand pausierte. Wir hatten einige sehr motivierende Lehrer, heute Morgen Ulysses aus Mexiko und Nachmittegs Lisa aus Las Vegas, die haben uns beide auf ihre Weise die Scheiße aus dem Hirn gequatscht und das Maximum aus unseren Körpern geholt. Natürlich nur das momentane Maximum, wer weiß schon, wie weit wir noch gehen können? Außerdem ist Bikram seit Dienstag wieder da, hat aber nur zwei Klassen unterrichtet - in denen alle mitgezogen haben wie Elitesoldaten (okay, manche sehen in einigen Postures immer noch mehr aus wie Mitglieder der "Police-Academie" - aber sie bemühen sich).
Ich weiß, ich soll nicht den Lehrer verantwortlich machen für meine persönliche Leistung in der Klasse, aber ich muss einfach feststellen, dass die mitreißenden Teacher mich zu erheblich ausdauernderen Leistungen treiben können - sorry. Was ja im Umkehrschluß nur bedeuten kann, dass ich einer von diesen begeisternden Lehrern werden will!
Mein Vater liess mich wissen, dass mein Blog den Anfangsenthusiasmus vermissen läßt. Bitte, tu mir einen Gefallen: Geh ins Bikramstudio Altona, mach eine der Abendklassen mit und schreib mir dann nochmal :-)
Okay, hier kommt denoch etwas Entusiasmus:
Meine Posture-Clinic-Gruppe gestern war ein Riesenspaß! Lisa aus Las Vegas hat die Gruppe geleitet und weitere fünf Teacher standen ihr zur Seite. Sie war sehr engagiert und fordernd und vor allem sehr inspirierend. Der große Spaß begann, als sie anfing einigen Sprechern neue Charaktäre zuzuweisen. Da hätten wir beispielsweise Linda, eine hübsche, fröhliche, niedliche und etwas schüchterne Latina. Linda hat ihre "standing-haed-to-knee-Pose" recht zaghaft vorgetragen. Linda bekam eine Banane in die Hand gedrückt mit dem Kommentar, dass sie von jetzt an Officer Linda ist und die Banane ihre Knarre, mit der sie ihre Schüler verhaftet. Was soll ich sagen, im zweiten Versuch hat man fast Angst vor ihr bekommen!
Ein anderer, sehr verkrampfter Typ (die Typen hier, speziell die harten Kerle mit den ganzen Tattoos und Narben und Pokerfaces sind die größten Mimis, wenn sie vorne stehen!!) bekam gesagt, er wäre ab sofort der neue Vanilla Ice und er müsse den Dialog mit Flow und Rhytmus vortragen. Jo jo, man, das war witzig.
Ich selbst war in meinem Vortag ausgesprochen sicher, hab möglicherweise nicht mal ein Wort vergessen oder vertauscht. Das ganze macht mir Spaß inzwischen und ich vergesse die 40 ständig wechselnden Beobachter um mich herum. Dennoch, meine Knie werden nach wie vor weich dort vorne und etwas zitterig, aber das ist ok, damit kann ich mich anfreunden.
Ich war denen gestern aber etwas zu streng, zu ernst, zu fordernd. Den Part hab ich nun also erfüllt. Was ich jetzt hinzufügen sollte ist mehr Spaß und Entusiasmus. Ein Witz viel mir spontan leider nicht ein, vor allem nicht, wo ich gerade im Englisch-Modus war, aber ich durfte das ganze nochmal mit übertriebenem Gestikulieren und und komischen Übertreibungen zum Besten geben, zur allgemeinen Erheiterung - auch meiner eigenen ;-) Great Fun. Nebenbei fragte einer der Lehrer aus Texas (Namen vergessen, groß, "Skatertyp"), ob ich Hans kenne, klar kenn ich Hans! Er war wohl mit dir im Training. Überhaupt, jeder hier, der Hans kennt, erinnert sich mit Begeisterung! Wundert mich nicht :-D
Ok. Desweiteren bin ich die letzten Tage von recht angenehmen Gefühlen gepuffert, da ich hier inzwischen mit einigen Leuten - sollte ich sagen: spannenden Frauen? - sehr entspannten, freundschaftlichen Umgang habe. Es sind natürlich nicht nur Frauen und ich muss das erklären. Wir sind 320 Leute, die für die Postureclinics in 16 Gruppen aufgeteilt sind und täglich mit einer anderen Gruppe zusammengewürfelt werden. Es entsteht also keine echte Kontuinität in Bezug auf die Leute, mit denen man zusammen ist. Ohnehin ist man in den Lectures und Yogaklassen mit allen Leuten auf einem Haufen und jeder sucht sich jedesmal einen neuen Platz, was soviel heißt, dass man ständig mit anderen Leuten in Kontakt kommt, was cool ist, da alle Leute freundlich sind und die meisten ausgesprochen unbefangen - wenn sie nicht gerade schlafwandeln wegen der letzten Bollywoodnacht...
Man plaudert also ständig mit irgendjemandem und lernt ständig neue Leute kennen, was ziemlich nett ist. Auf der anderen Seite gibt es hier immer noch Gesichter, von denen ich nach vier Wochen nicht weiß, ob ich sie schonmal gesehen habe, und anderen, von denen ich nicht sagen kann, ob sie eventuell zwei Wochen abwesend waren, was recht strange ist, aber wohl normal. Inzwischen hab ich mir vermutlich an die 50 oder mehr Namen gemerkt, mit manchen habe ich nur einmal gesprochen, mit anderen plaudert man immer wieder gern.
Letzes Wochenende noch hab ich mich hier und da am Pool noch etwas isoliert gefühlt, da die ein oder andere Cliquenbildung nicht zu übersehen war, und ich mich in keiner wiedergefunden habe, Aber das war ok, ich bin eh kein Cliquentyp. Inzwischen haben sich immer stärkere "Bindungen" entwickelt, da ich hier und da längere Gespräche und gemeinsame Themen - von dem einen großen Thema abgesen - hatte. Kurz: Es entwickeln sich Freundschaften, was ziemlich cool ist, vielleicht war es einfach das Gefühl, was ich zuvor vermisst hatte, aber bei anderen schon beobachten konnte.
Da hier gut 60% Amis und weitere in den USA-lebende sind, sind einige der Freundschaften vielleicht aber auch noch gar nicht das, was sie scheinen. Viele Amis sind einfach von Anfang an entusiastischer im Umgang, was nicht immer viel bedeuten muss. Ich bin da ja eher ein waschechter Norddeutscher - es braucht ein wenig, um mich zu erschliessen, aber wenn das erstmal geschehen ist, bleibe ich für immer als Freund erhalten! Eine rühmliche Ausnahme gibt es - bei Malte reichten einige wenige Tage, um ihn zu einen meiner besten Freunde zu machen - Gruß an Malte, liest Du meinen Blog, oder meditierst und Qi-Gongst du den ganzen Tag? Always keep the balance, wenn ich zurück bin, müssen wir mal wieder ordentlich Party machen!
Insgesamt muss man aber einfach feststelen, dass die Stimmung unter den Yogis eine ganz besondere ist. 320 Leute, die sich einander verbunden fühlen, ohne sich sonderlich gut zu kennen. Und auch die Sonderlinge werden nach und nach integriert, und davon gibt es einige offensichtliche.
Hier sind echte Storys am Start, nicht nur unter den angehenden, sondern auch in den gestandenen Teachern, die zu Tränen rühren. Lazlo z.B. stellte sich vor und bedankte sich als erstes bei Bikram, weil er während einer längeren Haftstrafe für sich allein in der Zelle mit Yoga begonnen hätte. Er sagt es hat nicht nur seinen Verstand, sondern sein Leben gerettet. Jetzt ist er hier!
Ein anderer ist vor fünf Jahren von einem Baum gefallen - 80 Fuss tief! In der unteren Wirbelsäule sind drei Wirbel total Schrott und mit Titan verschraubt. Er hat ein Jahr lang furchtbare Schmerzen ertragen, bevor er mit Yoga begann, und beim auch beim Yoga zunächst enorme Torturen durchgestanden. Bis heute hat er täglich Schmerzen, aber es wird immer besser und wären die krassen Narben nicht, man sähe ihm seine Geschichte nicht an, er ist ein ziemlich fröhlicher, offener Typ - sehr angenehm. Als er erwähnte, dass er mit kurzen Haaren mit Yoga begonnen hätte und sie seitdem nicht mehr geschnitten hat, um sich zu erinnern, wie das Yoga sein Leben verbessern konnte, weinte er auf der Bühne, und der ein oder andere mit ihm. Jetzt er ist hier und wird Teacher!
Ein Mädel erzählte Dr.T auf der Bühne (er hat sich heute einiger Einzelfälle in seiner Funktion als Chiropraktiker und Yogakenner angenommen, und wir konnten dabei zusehen), dass sie seit früher Kindheit sehr starkes Asthma mit häufigen Krankenhaus- und Arztbesuchen hatte, bis zu dem Tag, an dem sie mit Yoga startete. Seitdem kein einzier Anfall mehr - drei Jahre.
Solche Storys gibt es hier zuhauf! Was Yoga mit chronischen Leiden wie Asthma oder auch Migräne oder oder oder zu tun hat, fragt ihr euch vielleicht. Ich kann hier nicht mal eben dreissig Stunden einführende Anatomie von Dr.T. wiederholen, aber ich kann soviel sagen, dass hier jedem klar geworden sein wird, welch enorme Relevanz die Mobilisierung der Wirbelsäule hat, denn alle wichtigen Nerven laufen dort hinunter und verlassen auf Höhe jedes einzelnen Wirbels das Rückrad zu den verschiedenen Organen im Körper. Ein einzelner unbalancierter Wirbel kann für alles mögliche Sorgen, von Bluthochdruck über Neurodermitis bis hin zu Hämorrhiden, alles dabei...
Ich bin abgeschweift. Nette Leute hier! Nicht überraschend, dass ich mich zu den "Exoten" hingezogen fühle - Frank - Ami, iranischer Herkunft, drei Kinder und sehr, sehr angenehme Ausstrahlung; Kenza - Marokko (hat überwiegend in einer privaten Gruppe trainiert, da das erste marrokanische Bikramstudio erst in Planung ist); Nazareth (was für ein Name!)- Las Vegas, aber Eltern aus Lybanon und Tunesien, mit der Ausstrahlung einer italienischen Filmdiva (die täte mich in Gefahr bringen, aber wie ihr wißt, ist "huggy huggy" hier nicht erwünscht und - ich hab´s zu lange nicht mehr erwähnt - ich bin mit der großartigsten kleinen starken hübschesten Exotin der Welt zusammen, die ich schrecklich vermisse (sobald ich Zeit für ein paar Gedanken habe), und sei es nur, um ihr zu sagen, wie unglaublich ich sie Liebe und welch unverschämtes Glück ich habe, dass sie Gefallen an mir findet!). Na ja, und zudem ist Nazareth´s Verlobter sehr groß und muskulös und tätowiert ;-( :-)
Genug. Ich schreibe viel und lerne wenig! Erfreut euch des Lebens. Bis bald.
Speaks:
Ulysses: "The moment you stop thinking, you´re free!"
Samstag, 23. Mai 2009
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